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BLAUPUNKT 7W77
#21
Hallo Harald
So einen ähnlichen Knebelknopf bringe ich mit, wenn wir uns bei Andreas treffen. Bei der Scheibe fällt mir momentan leider nichts zu ein. Aber ich schaue mal, vielleicht zum Nachgiessen eine Originalscheibe von meinem Blaupunkt 4W6 Holzausführung abbauen.
Radiogrüße Detlef

Wer nicht mit dem zufrieden ist was er hat, wäre auch nicht zufrieden mit dem was er hätte, wenn er es haben würde.
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#22
Hallo Kollegen,

nun will ich doch endlich mal berichten, wie es mit meinem 7W77 weitergegangen ist.

Am 24. August waren auf der Rückfahrt aus unserem Oslo-Urlaub beim Andreas in Peine vorbeigefahren, wo ich auch das Vergnügen hatte, Detlef (Radionar) und Dirk (Hilti) persönlich kennenzulernen.
Und ich traute meinen Augen nicht, was Adreas aus meinem schrottigen Gehäuse gezaubert hat. Zu Hause angekommen habe ich natürlich das Chassis hineingesetzt um zu sehen, ob alles passt ... und es passte!

So sieht es nun aus:

           

Die roten Pfeile zeigen auf kleine Löcher in der Rückwand und in der mittleren Rückwand-Haltespange. Diese dienten zum Durchfädeln einer Plombenschnur. Die Rückwand konnte nur bei durchtrennter Plombierung abgenommen werden!

       

Hier noch einmal Bilder der grausigen Holzausbrüche, die Andreas so perfekt repariert hat.

           

Bevor das Chassis wieder ins Gehäuse gesetzt wurde, wurde noch das defekte BLAUPUNKT Emblem aus Zink-Spritzguss restauriert.

   

Hier einige Stufen dieser Arbeit:

Zunächst wurden die noch vorhandenen Teile das gebrochenen Emblems mit 2K Kleber zusammengefügt.

   

Dann wurde das Emblem auf Millimeterpapier gelegt und der Umriss der intakten Gabel abgezeichnet. Dann wurde die Kontur Punkt für Punkt auf die andere Seite der Zeichnung übertragen und das noch vorhandene Fragment der linken Seite auf die Zeichnung gelegt und fixiert. So hatte ich schonmal die Sollkontur.

                   

Dann wurde aus 2,5mm starkem Messingblech ein Bogen geformt (mit der Hammerfinne gedengelt), der von unten in die rückwärtige Höhlung des Emblems passte. Nach Einkleben desselben wurde aus selbstklebender AL-Folie eine kleine Wanne geformt und mit 2K Kleber ausgegossen. Nach Feinschliff wurde der Schriftzug des Emblems mit TESA-Krepp abgeklebt und der Rest mit DUPLI-COLOR Effekt-Sprühlack "Edelstahl" lackiert. Man glaubt es nicht, aber das Resultat ist dem Farbton des nicht lackierten erhabenen BLAUPUNKT Schriftzugs - also der Original-Spritzgussoberfläche - verblüffend ähnlich.

       

Was mich immer noch wundert, ist die eigenartig geschwungene Form der ganzen Emblem - "Stimmgabel" Wahrscheinlich hat sich der Spritzguss über die letzten 80 Jahre stark deformiert. Aber warum symmetrisch auf beiden Seiten? Macht nichts, zurückbiegen kann man es ohne Bruch sowieso nicht. Und wenn man nicht gezielt danach schaut, fällt es im fertigen Gerät auch nicht so schlimm ins Auge..

Die grausig verrosteten Stahl-Zierleisten wurden mit 500er Schleifleinen geputzt und anschließend mit Klarlack versiegelt. Auch zu deren Farbton passt der "Edelstahl" Sprühlack garnicht so schlecht.

Bevor der Lautsprecherstoff wieder eingeklebt wurde, habe ich ihn vorsichtig in lauwarmer Waschmittellauge ausgedrückt. Unglaublich was da für eine braune Brühe herauskam. Leider hatte er auf der linken Seite schon ein paar gerissene Fäden, sodaß ich ihn dort nicht stark spannen konnte. Die Folge sind Wellenlinien im Fadenmuster. Auf der rechten Seite ist es viel besser gelungen.

Ein großer Glücksfall war die Tatsache, dass Detlef mir einen originalen Wellenschalterknopf mitbrachte. Die darin sitzen Hohlachse war für den 7W77 zu kurz und wurde entsprechend verlängert.

       

Die passende Führungsscheibe der Wellenschalterachse hat er mir geliehen. Sie wird im Moment in der mechanischen Werkstadt meines früheren Institutes dupliziert.

   

Hier sieht man den Wellenschalter und Führungsscheibe an ihrem Platz.

   

Links daneben sieht man eine Stelle an der Andreas das Holz neu aufgebaut und furniert hat. Bei so naher Betrachtung fällt ein leichter Farbunterschied auf. Bei normalem Betrachtungsabstand sieht man das überhaupt nicht. Trotzdem konnte ich es mir natürlich nicht verkneifen, einige helle Stellen der restaurierten Holzpartien leicht abzudunkeln. Das geht problemlos mit schwarze Beize, die man schnell und leicht darüberwischt. Aber wirklich nötig war das eigentlich nicht.

Nun noch mein Sorgenkind ... nein, das Sorgenkind aller 7W77 Besitzer -> die fehlende Spiegeloptik:

   

Anscheinend weiß niemand genau, wie die aussah. Im Ausschnitt des Magischen Auges sieht man einen horizontalen feststehenden Dorn, und darunter einen kleinen Hebel der sich beim Drehen des großen Rades hinein- und heraus bewegt. Der feststehende Dorn diente vermutlich als Spiegel-Drehachse; griff der kleine Hebel am unteren Ende des Spiegels an, so konnte man diesen durch Drehen des Rades wahlweise nach vorne bzw. nach oben klappen. Das war garnicht so blöd wie es vielleicht klingen mag.
Stand das Radio relativ tief auf einem speziellen Beistelltischchen, konnte man die Skala nach hinten umklappen um die Postion des Skalenzeigers zu sehen und man musste sich beim Abstimmvorgang auch nicht bücken, um das Magische Auge zu beobachten. Man schaute einfach von oben auf den Umlenkspiegel. Blöd war nur, daß über kurz oder lang jemand gegen den herausstehenden Spiegel rempelte - und so fehlt der heute in allen mir bekannten Geräten.

Inzwischen habe ich auch den im Fundzustand fehlenden Umschalter zwischen Geradeaus- und Superhetempfang eingebaut und verdrahtet. Funktioniert zwar im Prinzip, aber der Geardeausempfang ist zu leise. Da muss ich wohl mal nachmessen, wo das Signal versickert.
Grüsse aus Karlsruhe,
Harald
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#23
Hallo Harald,

ich freue mich sehr, dass die Aktion mit dem Radiogehäuse so gut geklappt hat. Natürlich gibt es immer etwas, über das man sagt, naja, das hätte noch etwas besser werden müssen. Aber im Großen und Ganzen bin ich mit meiner Arbeit zufrieden.
Trotzdem bin ich im ersten Moment zusammen gezuckt, als Du den Wellenschalterknopf vom Detlef in Nahaufnahme gezeigt hast. Da sieht man mal wieder, die Kamera ist ein echter Verräter. Ich habe das aber schon öfter mit Gehäusereparaturen gehabt. Dass Du einige ausgebesserte Furnierteile noch nachträglich nachgedunkelt hast ist völlig richtig. Wichtig war ja auch, dass die völlig weg gebrochene Skalenhalterung hinten links wieder absolut paßt. Kleinste Abweichungen und man hätte die Skala nicht montieren, bzw. nicht bewegen können.

Auch das Firmenschild hast Du wieder perfekt hin bekommen. Die Technik hattest Du uns ja bereits vorgestellt. Ja, nun ist dieses Radio wirklich nach so vielen Jahren eine echte Augenweide geworden. Ich freue mich sehr, meinen Anteil dazu beigetragen zu haben. Dieses Radio wirst Du mit Sicherheit nicht mehr als häßlich in eine versteckte Ecke stellen. Ich freue mich jetzt natürlich, dass Du endlich Freude mit diesem doch recht wertigen Gerät hast.
Es grüßt Euch aus Peine
     
     Andreas
Nicht nur die Röhren sollen glühen.
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#24
"Was mich immer noch wundert, ist die eigenartig geschwungene Form der ganzen Emblem - "Stimmgabel"

Na ja, vielleicht hat Blaupunkt ("point bleu") etwas bei Ducretet abgeschaut?

   

Gebogene Gabeln scheinen in den '30ern "modern" gewesen zu sein.

Gruß, Dietmar
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#25
ich ziehe meinen Hut! Vor den Holzarbeiten und vor der technischen Instandsetzung!

(als einer der an einem ähnlichen Modell gescheitert ist)
Gruß,
Jupp
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Ziel der vollkommenen Sammlung ist es, unseren unruhigen und abschweifenden Geist zu kontrollieren.
(Buddhistische Weisheit)
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#26
Ach, Jungs - was soll ich sagen? Hut ab! 

Das Gehäuse konnte ich schon bei Andreas bestaunen. Nun, wo das Radio seinen Weg in das Gehäuse gefunden hat, muss ich mich umso mehr für Harald freuen  Smiley32 was für ein schönes Gerät. Insbesondere die Skala ist ein richtiger Hingucker.
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Viele Grüße aus dem Ruhrgebiet...Dirk
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#27
Liebe Kollegen,

vielen Dank für die positive Resonanz! Ja, durch die Mithilfe von Andreas und Detlef (radionar) ist das wieder ein sehr schmuckes Radio geworden. Vielen herzlichen Dank an die beiden!!!

Bei der geschwungenen Form des BLAUPUNKT - Emblems musste ich auch unwillkürlich an DUCRETET denken. Wer weiss, ob man sich nicht ein wenig daran orientiert hat? Allerdings sieht man auf anderen Bildern des 7W77, dass der Rand des Emblems im oberen Teil überall gleich weit aus der Verkleidung der Spiegeloptik herausschaut. Bei mir baucht es ja etwas. Egal, auf jeden Fall sieht es besser aus als vorher, als noch ein Stück fehlte.

Ja Peter, so langsam habe ich mich auf die Restauration der richtig kniffligen Radios verlegt. Es reizt mich einfach, die damaligen Geräte der Avantgarde-Klasse wieder zum Leben zu erwecken.

Doch Jupp, das hättest Du auch hinbekommen, immerhin habe ich auch die letzten 28 Jahre (mit Unterbrechungen) daran herumgetüftelt. Kommt Zeit - kommt Rat.

Bei RMorg gibt es übrigens ein Bild der 7W77 Truhe mit Plattenspieler:

https://www.radiomuseum.org/r/blaupunkt_..._w_77.html

Dort sieht man zwar eine Dame im eleganten Abendkleid, aber wie Spiegeloptik aufgebaut war erkennt man nicht. Sollte wirklich kein Gerät mehr existieren, bei dem diese Komponente noch intakt ist?
Grüsse aus Karlsruhe,
Harald
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