Themabewertung:
  • 1 Bewertung(en) - 5 im Durchschnitt
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
Wanduhr von Ruka
#1
Hallo Freunde,

ich habe hier eine Wanduhr von Ruka, die eigentlich gut lief.

   

Nun war es aber so das sich das Zifferblatt aus Messing beim zu weiten Öffnen des Glases nach vorne zog und die Zeiger blockierte. Es ist mit kleinen Nägeln am Gehäuse befestigt. Also dachte ich schlag die mal wieder rein. Tja, ich hätte mal vorher das Uhrwerk ausbauen sollen... Confused 

Die Uhr war auch durch reinigen der Lager und ölen nicht wieder zum Laufen zu bringen. Sie wurde dann erst mal aus dem Wohnzimmer verbannt. Ich wollte mich nicht länger über mich selbst ärgern.
Vor ein paar Tagen nahm ich mir nochmal das Uhrwerk vor und es gelang mir den Schwebeanker vorsichtig zu richten. Seit dem läuft nun das Uhrwerk wieder.

   

Das eigentliche Problem ist das sich auflösende Sperrholz Gehäuse. Das war auch der Grund weshalb sich das Zifferblatt gelöst hat.

       

Zum Glück hat mir Andreas seine Hilfe angeboten. Warten wir mal ab was er dazu schreibt.  Blush
Gruß aus Bremen

Enno
Zitieren
#2
Das ist für diese Art Uhren ein recht ungewöhnlicher Gehäuseschaden. Ist die vielleicht mal nass geworden? Diese Schichtverleimten Gehäuse wurden damals in Formpressen heissverleimt. Wenn sie feucht werden, drängt das auf Spannung stehende Holz wieder in seine ursprüngliche Form zurück.
Uhren dieser Art hatte ich auch mal über 50 Stück, die sind aber alle verkauft und verschenkt weil mich dann die älteren Uhren mehr interessierten.
~~~Es gibt nichts Gutes, außer man tut es (Erich Kästner)~~~
Zitieren
#3
Hallo Anton,

ja nun liegt es hier, das arme Gehäuse. Ich bin noch nicht daran gegangen. Ich stelle davon noch genauere Bilder ein. Der Gehäuseschaden sieht mir eher aus, als wenn der Holzleim durch Wärmeeinwirkung im Laufe der vielen Jahre nach gegeben hat. Bei Nässe wäre das Sperrholz wellig.
Bei dieser Arbeit muss man sich im Vorfeld seine Gedanken machen.

Das Problem ist folgendes: Die einzelnen Lagen des Sperrholzes sind auseinander gegangen. Sie liegen locker aufeinander. Daher ist auch das Zifferblatt mit seinen Stiften ohne Werkzeug zu entfernen.

Jetzt, so stelle ich mir das vor, werde ich mit einer Injektionsspritze mit dicker Kanüle verdünnten Holzleim in die einzelnen Hohlräume geben. Dann muß das Gehäuse mit 1-2 stärkeren Schraubzwingen gepreßt werden.

Das größte Problem ist die von außen sichtbare Furnierschicht. Die ist unter der Spannung in der Mitte gerissen. Die soll ja wieder "auf Stoß" kommen. Hier tastet man natürlich im Dunkeln, weil sich der Erfolg der gesamten Aktion erst zeigt, wenn ich das Brett vom Pressen wieder entfernt habe. Dann kommt als nächstes der Holzleim, der natürlich etwas aus der Naht gedrückt wird. Wenn das alles geklappt hat, dann hat der Enno wieder jahrelang Freude an der Uhr. Als meine Schwiegermutter verstorben war, hatte ich auch solch eine Uhr gehabt. Ich mochte die nicht, auch nicht zu ihren Lebzeiten. Habe sie nachher verschenkt.

Also - Anton - Daumen drücken!
Es grüßt Euch aus Peine
     
     Andreas
Nicht nur die Röhren sollen glühen.
Zitieren
#4
Andreas,
ich bin froh das Du es versuchst. Es gibt nichts zu verlieren. Ich hätte mir das gar nicht erst zugetraut.
Gruß aus Bremen

Enno
Zitieren
#5
Hallo Enno,

meinen Plan habe ich schon. Ich will das dann die Woche noch in Angriff nehmen. Ich denke, das wird auch klappen. Du sollst Dich doch an deiner Uhr noch erfreuen.
Es grüßt Euch aus Peine
     
     Andreas
Nicht nur die Röhren sollen glühen.
Zitieren
#6
Am Wochenende wurde das Wetter endlich milder.

So konnte ich mich auch mal Enno's Wanduhrgehäuse zuwenden. Was auf den Bildern gar nicht so schlimm aussieht, ist schon ein kapitaler Gehäuseschaden.

Die einzelnen Sperrholzschichte sollten nun wieder verbunden werden. Es mußte also unter die gelösten Schichten wieder Holzleim gebracht werden. Dies habe ich auf 2 Arten gemacht. Ich habe verdünnten Holzleim aus einer dicken Spritze mit Kanüle in der Holzinnere gespritzt. In die erreichbaren Stellen brachte ich unverdünnten Holzleim mit einem schmalen Stück Furnier ein.

Meine Vorstellung ist jetzt, dass der Holzleim in die losen Stellen kommt und zwar bis zum letzten Winkel. Schön wäre es natürlich auch, wenn durch die Pressung das gelackte Oberflächenfurnier wieder an den Nähten zusammen kommt. Sollte eine schmale ritze bleiben, bleibt nichts anderes, als leicht zu Spachteln und dann mit Bastelfarbe die Furnieroptik etwas nach zu ziehen.

Durch den teilweise verdünnten Holzleim dauert die Trocknung unter Druck natürlich länger. Morgen werde ich Euch das Ergebnis zeigen.

Zunächst wurde das Ziffernblatt und die Glasabdeckung entfernt. Die kleinen Nägel konnte man ohne jegliches Werkzeug ziehen.
Wenn ich das Ziffernblatt wieder montiere, werde ich unter das Ziffernblatt in Nagelnähe etwas 2K-Kleber bringen.

   

Man kann jetzt schon sehen, wie hier alles aufgequollen ist.

Hier die Utensilien für die Reparatur. Ein Stück längeres Furnier und die Spritze für den verdünnten Holzleim.

   

Jetzt muss gepreßt werden, was das Zeug hält. 2 kräftige Zwingen sind erforderlich. Durch das Pressen wir natürlich flüssiger Holzleim austreten. Deshalb nimmt man als Gegendruck ein Kunststoff beschichtetes Brett oder legt Kunststoffolie dazwischen. Nur nicht so auf rohem Holz leimen. Das furnier würde sich mit dem Brett verbinden und garantiert würde beim Abnehmen des Brettes das Furnier zerreißen.

   

Jetzt heißt es nur hoffen, dass das Gehäuse nach dem Pressen wieder ordentlich aussieht und ich dem Enno weiter helfen konnte.
Es grüßt Euch aus Peine
     
     Andreas
Nicht nur die Röhren sollen glühen.
Zitieren
#7
Oh,
ich bin gespannt! Vielleicht klappt es ja wirklich. Smiley32
Gruß aus Bremen

Enno
Zitieren
#8
Hallo Freunde,

es hat alles ein wenig länger gedauert aber das Ergibnis kann sich wirklich sehen lassen:

   

Andreas hat da bei dem Gehäuse wirklich gute Arbeit geleistet. Schaut Euch mal die Bilder an:

   
   

Jetzt habe ich aber noch ein anderes Problem! Seit der Reinigung der Uhrwerkes läuft die Uhr viel zu schnell! Man kann zwar am Schwebeanker das Segment in einem gewissen Bereich verschieben


.jpg   9.jpg (Größe: 75,36 KB / Downloads: 145)

aber das reicht nicht. Auf 24h geht die Uhr mehr als eine Stunde vor. Was kann ich tun?
Gruß aus Bremen

Enno
Zitieren
#9
Hallo Enno & Andreas Smile

Respekt, die Uhr sieht ja wirklich wieder richtig schön aus Rose

Wenn sie so schnell läuft, und die normale Regulierung reicht nicht,
Vielleicht könnte man irgendwie das Gewicht beschweren? Irgendwie dahinter
oder so, daß man es nicht von vorne sieht. Dann müßte das Uhrwerk langsamer werden?

Sonnige Grüße, von Peter
~~~~~ DE - MV  /  Connected ~~~~~
Zitieren
#10
Nee, mein lieber Peter, das geht nun widerum nicht.

Der Einsteller sitzt an der sog. Unruh. Außer den ´Hebel auf + (schneller) oder - (geht langsamer) zu stellen ist da, so meine ich, nichts weiter machbar.

Noch mal zum Uhrgehäuse. Es wäre mir 1000 x lieber gewesen, der Riss hätte sich bündig kleben lassen. Das war aber nicht möglich. Das Unterholz hatte sich auch durch die mangelhafte Klebung verzogen. Man hätte das gesamte Gehäuse in eine Preßform bringen müssen. Dann unter großem Druck wäre es vielleicht möglich gewesen. So mußte ich mit etwas Spachtel arbeiten, den ich vorher farblich angepaßt habe. Trotzdem freue ich mich, dass ich dem Enno weiter helfen konnte und er sich an seiner Uhr wieder erfreuen kann.
Es grüßt Euch aus Peine
     
     Andreas
Nicht nur die Röhren sollen glühen.
Zitieren
#11
Also ich habe mal gehört, dass wenn eine Uhr mit dem Alter schneller werden so liegt es daran, dass die Unruhe zu viel Reibung hat und somit nicht mehr voll durchschwingt was zum vorgehen der Uhr führt.
Gruß Richard


Jeder kann die Welt verändern!
Er muss nur bei sich selbst anfangen.






Zitieren
#12
Prima gemacht Andreas!

Da diese Uhr ein Unruhwerk und kein Pendelwerk hat, gibt es auch kein Pendelgewicht! Das ist doch eigentlich offensichtlich. Darüberhinaus ist nicht das Gewicht des Pendels, sondern die Länge des Pendelweges-, also der Pendelstange- für die Ganggeschwindigkeit maßgeblich.

Ich denke, dass die Unruhe mit Unruhfeder, evtl. auch der Mitnehmeranker eine fachmännische Justierung benötigt. Enno, frag doch mal bei unserem Spezialisten Benjamin (Phalos) an. Der wird auch eine sachdienliche Auskunft zum vorliegenden Problem geben können.
~~~Es gibt nichts Gutes, außer man tut es (Erich Kästner)~~~
Zitieren
#13
(27.05.2018, 13:32)Richard schrieb: Also ich habe mal gehört, dass wenn eine Uhr mit dem Alter schneller werden so liegt es daran, dass die Unruhe zu viel Reibung hat und somit nicht mehr voll durchschwingt was zum vorgehen der Uhr führt.

Es ist eher das Gegenteil der Fall. Die Unruh schlägt so kräftig aus das sie an den beiden Begrenzungen anschlägt. Das  Verschieben von + nach - hat zwar Einfluss auf die Geschwindigkeit, reicht jedoch nicht aus.

@ Anton: Da hoffe ich mal auf Benjamin!
Gruß aus Bremen

Enno
Zitieren
#14
Hallo, Enno,
Ohne Benjamin vorgreifen zu wollen, der es sicher noch besser weiß....

Aber, wenn die Unruh anschlägt, ist das schon mal die Ursache, weswegen die Uhr zu schnell läuft.

Die Unruh sollte m.W. ca 180-270 Grad Ausschlag haben, und da darf sie dann auch nicht anschlagen.

Vielleicht hilft das weiter.

VG Henning
Schlau ist, wer weiß, wo er nachlesen kann, was er nicht weiß.
Zitieren
#15
die Hemmung ist def. Da kann man als Laie nichts mehr machen. Möglicherweise ist das durch die vorherigen Ereignisse passiert
Gruß Franz
eh isch misch uffreg isch mirs lieber egal
Zitieren


Gehe zu: