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Das Deutsche Fernsehen - Teil 6: Aus Schwarz-Weiß wird Farbe
#1
Vorwort
Das Fernsehen in Schwarz-Weiß hatte sich in Windes Eile weltweit zum Massenmedium entwickelt. Aber, die Welt ist voller Farben. Warum sollte dann das Fernsehen Schwarz-Weiß sein?

Experimentiert wurde diesbezüglich schon lang und fast überall. Entweder es wurde mit drei Kanälen gearbeitet und jeweils ein Bild in den Grundfarben Rot, Grün, Blau (RGB) übertragen oder über einen Kanal und einen schnell rotierenden Farbfilter vor Kamera und Empfänger.

Das Prinzip der Bilderzeugung in Farbbildröhren durch additive Farbmischung erfand der Physiker Werner Flechsig 1938 bei der Fernseh AG.


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Werner Flechsig (1900 - 1981)


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additive Farbmischung

In den USA
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Ausschnitt aus der Perry Como Show 1956, 2:28 min Ohrenschmaus, leider nicht in Farbe (senden konnte man in Farbe, jedoch nicht aufzeichnen),

Erst 1972 wurden in den USA mehr Farbfernsehgeräte als Schwarz-Weiß-Fernseher verkauft.

BRD
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1967 war es dann in Westdeutschland soweit.


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Original Poster Funkausstellung 1967

Bei der 25. Großen Deutschen Funkausstellung am 25. August in Berlin startete der damalige Bundesaußenminister (und vorherige Regierende Bürgermeister von Berlin), Willy Brandt das Deutsche Farbfernsehen - natürlich, indem er auf den Startknopf drückte.


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Willy Brandt startet das Deutsche Farbfernsehen für die BRD

ARD und ZDF übertrugen eine Begrüßungsmoderation, die von Schwarz-Weiß auf Farbe wechselte. Anschließend wurde der Spielfilm "Cartouche, der Bandit" mit Jean-Paul Belmondo und Claudia Cardinale übertragen. Abends gab es für die "wenigen" Zuschauer vom ZDF die Fernsehshow "Der goldene Schuß" mit Vico Torriani.


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Wie in den USA wurden auch in der BRD in den ersten Jahren weniger Farbfernseher als Schwarz-Weiß-Geräte verkauft, was verständlicherweise auch mit den hohen Verkaufspreisen solcher Geräte zusammenhing. 1967 brachten die Körting Radio Werke Grassau über das Versandhaus Neckermann den Farbfernseher "Weltblick Color-Supermatic" zum Preis von 1.840 DM auf den Markt. Das lag sehr deutlich unter den Preisen anderer Hersteller, bei denen ein Durchschnittspreis von 2.400 DM gefordert wurde. Ein gutes Geschäft für Körting und Neckermann.


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Farbfernseher Weltblick Color-Supermatic

In diesen ersten Jahren nach 1967 war noch viel Pionierarbeit bei der Einführung des Farbfernsehens notwendig. Die neue Technik musste an die Basis transferiert werden. Fachhändler, Techniker und Fachjournalisten mussten informiert und geschult werden - eine extrem wichtige Aufgabe. Der Dipl.-Ing. Joachim Korn war einer dieser Fernseh-Pioniere bei der Philips AG in Hamburg.


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Joachim Korn (1919 - 1994)

Auch hier bewahrheitet sich wieder das alte Sprichwort "Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.", sein Sohn Eberhard ist Mitglied der Radio Bastler-Gemeinschaft.

Besondere Kaufanreize für Farbfernsehgeräte waren die Olympischen Sommerspiele 1972 in München und die Fußballweltmeisterschaft 1974 in der BRD, bei der Deutschland nach 1954 zum zweiten Mal Weltmeister wurde.

Die Olympischen Sommerspiele 1972

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Olympia-Logo 1972

Die Olympischen Sommerspiele 1972 in München sollten die heiteren Spiele sein und vom Fernsehen in alle Welt gesendet werden. Die Wettkampfstätten und das Olympische Dorf waren von namhaften Architekten geplant und gebaut worden. München hatte sich auf die Gäste aus aller Welt vorbereitet und aufs Feinste herausgeputzt.
Aber dann kam alle ganz anders. Am 11. Wettkampftag drangen palästinensische Terroristen mit Waffengewalt in das Olympische Dorf und in die Unterkunft der israelischen Mannschaft ein, erschossen zwei israelische Wettkämpfer und nahmen alle anderen als Geiseln. Sie forderten die Freilassung von mehr als 100 inhaftierte Palästinenser und der beiden deutschen RAF-Mitglieder Andreas Baaderund Ulrike Meinhof. Die Geiselnehmer nannten sich "Schwarzer September". Nach erfolglosen Verhandlungen verlangten die Geiselnehmer ausgeflogen zu werden. In der Nacht vom 5. zum 6. September unternahm die Polizei auf dem Flughafen Fürstenfeldbruck einen Befreiungsversuch, bei dem alle 11 Geiseln, 5 Geiselnehmer und 1 Polizist ums Leben kamen.
Das Fernsehen war immer dabei...

In YouTube ist eine autentische Dokumentation mit originalen Aufnahmen des Geiseldramas zu sehen. Dieses Video ist hier verlinkt: https://www.youtube.com/watch?v=6on6SShh8dU&t=28s


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Gedenktafel im Münchner Olympiadorf

Durch das Fernsehen wurde das Geschehen - größtenteils live - in alle Welt übertragen. Der Fernsehzuschauer konnte zuhause vom bequemen Sessel aus alles verfolgen.  Eine Beurteilung einer solchen Berichterstattung sei dem Leser dieser Abhandlung überlassen.

Fußball-Weltmeisterschaft 1974
Zwei Jahre später, 1974, wurde die Fußballweltmeisterschaft in der Bundesrepublik Deutschland ausgetragen. Die Deutsche Nationalmannschaft kam bis ins Endspiel gegen den Favoriten Niederlande.


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Deutsche Nationalmannschaft  WM 1974

In einem spannenden Endspiel besiegte die Deutsche Nationalmannschaft die Niederländische Mannschaft mit 2 : 1 Toren. Deutschland war nach 1954 zum zweiten Mal Fußball-Weltmeister geworden.


Deutschland : Niederlande 2 : 1,  10 Minuten Zusammenfassung Endspiel

Allein 1974 wurden in der BRD ca. 2.200.000 Farbfernsehgeräte verkauft. Der Kaufpreis eines Tischgerätes mit einer Bildschirmdiagonale von 66 cm betrug rund 2.000 DM. Der jährliche Zuwachs bei den Verkaufszahlen war überzeugend. Das Farbfernsehgerät hatte das Schwarz-Weiß-Gerät endgültig abgelöst.

DDR
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In der DDR hatte das Präsidium des Ministerrats 1965 beschlossen, dass das Farbfernsehen in der DDR eingeführt wird. Dazu wurde ein zweiter farbtüchtiger Programmkanal angekündigt, der als zweites Programm des DFF laufen sollte. Gesendet werden sollte in Berlin vom neuen Berliner Fernsehturm der Deutschen Post DDR im Marienviertel (historischer Stadtteil Alt Berlins).


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Fernsehturm Berlin


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Bei direkter Lichteinstrahlung erstrahlte auf der Kugel ein helles Kreuz, das die Berliner "Die Rache des Pabstes" nannten.

Der Berliner Fernsehturm war mit 368 Meter mehr als doppelt so hoch wie der Westberliner Funkturm. 1969 wurde er fertig gestellt und war zu der Zeit der zweithöchste Fernsehturm der Welt.
Am 3. Oktober 1969 startete der "Erste Sekretär des Zentralkomitees der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands" (SED) Walter Ulbricht per Startknopf das Farbfernsehen der DDR.


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Walter Ulbricht eröffnet das DDR-Farbfernsehen

Wie auch in der BRD, lief der Verkauf der Farbfernsehgeräte sehr schleppend an. Das war aber erklärlich bei einem Einzelhandelspreis von 3.700 Mark. Das "VEB Kombinat Rundfunk und Fernsehen Stassfurt" (RFT) war zwischenzeitlich Hauptlieferant für Fernsehgeräte geworden.


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VEB RFT in Stassfurt

RFT war auch der Hersteller des ersten Serien-Farbfernsehgerätes der DDR. Pünktlich zum Start des Farbfernsehens brachte RFT den "Color 20" auf den Markt. Entwickelt hatte das Gerät das Zentrallabor für Rundfunk- und Fernsehempfangstechnik in Dresden.


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Farbfernseher Color 20


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Tweety darf auch fernsehen

Der Color 20 war gleichzeitig eine Weltsensation. Es war der weltweit erste volltransistorierte Fernsehempfänger. Bis auf die Bildröhre und drei Hochspannungsgleichrichter war er mit Halbleitern bestückt. Er hatte eine Leistungsaufnahme von lediglich 160 Watt.
Die DDR sendete in der Fernsehnorm SECAM, die auch in der Sowjetunion und Frankreich verwendet wurde. Dagegen wurde in der BRD die Fernsehnorm PAL verwendet. Daher konnten die Menschen "hüben und drüben" den Nachbarsender nur Schwarz-Weiß empfangen. Das wurde jedoch auf praktikable Art ohne staatliche Eingriffe gelöst. Sowohl in der BRD als auch in der DDR gab es PAL-SECAM- oder SECAM-PAL-Decoder, die entweder von der Industrie geliefert wurden oder in Selbsthilfe hergestellt wurden.

Auf dem VIII. Parteitag der SED im Juni 1971 stellte der neue Erste Sekretär des ZK der SED, Erich Honecker sein neues Wirtschaftsprogramm zum Wohle der Bevölkerung vor. Außer Wohnungsbau, Kinderbetreuung, Lohnverbesserungen usw. forderte er auch, die "Fernseh-Programmgestaltung zu verbessern, eine bestimmte Langeweile zu überwinden und den Bedürfnissen nach guter Unterhaltung Rechnung zu tragen".

Wie man heute weiß, hat dieses "Machtwort" tatsächlich mehr Schwung in die DDR-Fernsehprogramme gebracht.


Danksagung, Quellen und Anmerkung

Vielen Dank für Informationen und Bilder/Videos aus Wikipedia, YouTube, dem Archiv für das Post- und Fernmeldewesen, dem Deutschen Fernsehmuseum professionell, Dipl. Ing. Göbel, dem Industriesalon Berlin-Schöneweide, der Foundation for German communications and related Technologies, der Berliner Feuerwehr und dem Radiomuseum Luzern.

Die Bilder wurden, soweit nicht anders gekennzeichnet, Wikipedia entnommen. Lizenzierte Abbildungen wurden nicht verwendet.
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