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Mein Telefunken Lido
#1
Mein Telefunken Lido habe ich von Anton bekommen!
Es war schon lange ein großer Wunsch ein solches Grammophon zu besitzen. Dieser Wunsch ging im Dezember in Erfüllung! So sah das Gerät am Anfang aus. Gar nicht schlecht erhalten, lediglich der Riemen zum Schließen des Koffers fehlte.

   

Aufziehen ließ sich das Gerät nicht. Nach zwei Umdrehungen mit der Kurbel sprang die Feder über. Also erst mal alles zerlegt zur Bestandsaufnahme. Der Federmotor wurde vermutlich noch nie gereinigt. Alles war überzogen von altem Fett!

       

Ich habe den ganzen Motor zerlegt und alle Teile in Diesel gereinigt. Die Feder habe ich vorsichtig aus dem Gehäuse gewunden. Dabei bestätigte sich auch meine Vermutung. Das innere Auge zum Einhängen war abgebrochen. Ich habe die Feder von Hand erst mal grade gebogen und vermessen, da ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste ob ich sie repariert und ein gewunden bekomme. Die Maße sind 3500 x 22 x0,6 mm. Da das innerste Stück nicht gehärtet ist, ließ sich ein neues Loch bohren. Anschließend wurde mittels Schnellläufer und Schlüsselfeilen ein neues Auge eingearbeitet und die Ecken der Feder rund gefeilt.

   

Danach habe ich die Feder mit viel Fett zurück ins Federgehäuse gewunden. Der restliche Motor wurde gründlich gereinigt und wieder zusammen gebaut. Danach erfolgte ein Probelauf!
Beim erneuten Zerlegen ist mir ein folgenschwerer Fehler passiert! Ich habe den Motor ohne Begrenzung laufen lassen. So das die Fliehkraftgewichte an der Uhrwerkplatte anschlugen. Die Folge war das eine der drei Fliehkraftfedern brach.

   

Nun musste erst mal Ersatz her. Zu Glück konnte ich drei neue Federn für kleines Geld über die Bucht ersteigern! Als nächstes habe ich die Gummilager des Federmotors nach gefertigt. Geeignet waren dafür Gummi-Metall-Lager, die ich auf passende Länge absägte und mit grobem Schleifpapier auf Maß schliff. Die Uhrwerkplatten sind übrigens mit flachen 11mm Muttern verschraubt, wovon eine fehlte. Einer unserer Auszubildenden hat mir zwei Stück aus dem vollen gefertigt. Welche ist wohl die neue?

   

Jetzt blieb noch ein Problem: Die Kurbel ließ sich nach dem Aufziehen nicht aus dem Stumpf drehen. Schuld war die gebrochene Rückschlagfeder. Ich konnte sie durch eine passende Feder aus einem Musterfederkasten ersetzen.

       

Einen passenden Riemen in der richtigen Farbe fertigte mir mein Schuster des Vertrauens an. Allerdings musste ich das Gerät im vollen EDEKA Laden vorführen! Das war natürlich die Attraktion!Big Grin
Zum Schluss noch ein paar Kleinigkeiten. Das Wachspapier habe ich mit Ponal Holzleim wieder festgeklebt.

   

Danach alles zusammengebaut. Den Lederkoffer habe ich mit Viss gut sauber bekommen.

   

   

Zur Pflege besorge ich mir noch braune Schuhcreme.
Hier noch ein Video vom fertigen Gerät!



Danke Anton!
Gruß aus Bremen

Enno
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#2
Sehr gut gemacht Enno!
Die aufgetretenen Fehler können jedem mal passieren, gut, daß sie sich beheben ließen.
Und der Riemen und das Gehäuse sind wirklich Spitze geworden!

Zu der Platte habe ich etwas beizutragen.
Mein älterer Bruder hatte so eine mit dem Hund auf die Sitzfläche eines Sessels gelegt.
Ich sprang in den selben und es machte zuerst Knack und dann gab es eine Tracht Prügel.
Die Platte hat er nie wieder bekommen.
Viele Grüße aus Loccum, Wolfgang

Wer niemals fragt, bekommt nicht einmal ein Nein zur Antwort.

In Memorandum 2018
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#3
Hallo Enno,
ein wunderschönes Gerät und dazu die hochinteressant dokumentierte Reparatur, gefällt mir sehr gut und das Video wärmt das Herz.
Ich glaube ich hatte mal so ein ähnliches Grammophon in Leder, habe aber vergessen, wo es geblieben ist, weil ich damals meinen Bastelraum ausräumen musste(Umzug).
Viele Grüsse,
Jean
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#4
Hallo,
schönes Teil und eine saubere Arbeit,
nur darauf achten, dass die Nadel beim Abspielen im richtigen
Winkel steht. In Laufrichtung sollte die Nadel so etwa in "sieben Uhr" Position stehen und die Schalldose senkrecht zur Platte, dann werden die Schallplatten optimal abgespielt.

Gruß
Rolf
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#5
Da kann ich mich nur lobend anschliessen. Sehr schöne Arbeit.

Glück, dass die Feder nicht in der mitte gebrochen ist. Ich mache das ende glühend heiss (langsam mit der Flamme weggehen) und biege es .Ohne härten. Aber Du kannst ja Prima mit Metall umgehen.
Gruß
aus der Stadt der Rodgau Monotones
Georg



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#6
(07.03.2015, 19:44)Jean_Berlin schrieb: Ich glaube ich hatte mal so ein ähnliches Grammophon in Leder, habe aber vergessen, wo es geblieben ist, weil ich damals meinen Bastelraum ausräumen musste(Umzug).

Das ist nicht nur so ein ähnliches Grammo Jean, sondern das ist genau Deines! Smile Ich hatte es mal von Dir gekauft und im letzten Jahr dann an Enno gegeben, weil ich zwei Lidos hatte und bekam dafür einen Philips Chrono von Enno. Ich wusste, dass Enno schon lange so ein Gerät haben wollte und es ihm eine Freude machen würde.

Freut mich sehr, dass das Gerät nun wieder so schön ausschaut und spielfertig repariert ist. Bei mir hat es so lange gestanden weil ich keine Zeit hatte um es zu reparieren und auch nicht so richtig die Motivation, weil ich ja schon ein spielfertiges Lido habe (und noch einige, andere Grammophone).

Ennos Lido ist die Vorkriegsversion, also das "Originale" Lido. Mein Lido ist die Nachkriegsversion, bis auf leichte Unterschiede beim Koffer aber baugleich. Beim älteren Lido besteht der Koffer noch aus echtem Leder, bei der neueren Version aus Pappe mit Kunstlederüberzug:

   

Den Gummizug der Tasche im Deckel kann man übrigens gut mit Einziehgummi erneuern. Habe ich bei meinem Lido auch gemacht, weil der auch so durchhing wie bei Deinem Gerät Enno. Dazu die Naht an beiden Enden etwas auftrennen, den abgemesenen Gummi auf an einem Ende auf eine Sicherheitsnadel ziehen und die Nadel dann Stück für Stück durch den umgenähten Saum der Tasche schieben. Dann nur noch den Gummi an den Enden der Tasche vernähen.
~~~Es gibt nichts Gutes, außer man tut es (Erich Kästner)~~~
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#7
Hallo Enno Smile

Mensch toll, wie Du dieses schöne alte Grammophon wieder restauriert hast,
herzlichen Glückwunsch dazu Thumbs_up Eine Frage "mußt" Du mir mal bitte beantworten:

=> Was für eine Bewandtnis hat es mit Deinem Grammophon~Konzert bei EDEKA ???

Jo, und sehr niedlich ist ja die Geschichte Deines Gerätes, das von Jean über Anton zu Dir kam,
das finde ich irgendwie cool Cool Viel Spaß weiterhin mit Deinem Lido wünsche ich Dir Rose

Herzliche Grüße aus MV von Peter
~~~~~ DE - MV  /  Connected ~~~~~
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#8
Sehr schön.
Wie hast Du den Riemen fest bekommen? Ich hab nix um so schöne Messingnieten zu verarbeiten Sad
Ich suche schon lange Ersatz für meinen Gurt, habe auch einen einigermaßen passenden alten Gürtel. Bloss die Nieten...
Schon überlegt, Gürtel mit Gurtrest zu vernähen.
Gruß,
Uli
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#9
Spitzen Arbeit Enno!

Kann man nicht besser machen. Auf die Anwort zu Ulis Frage bin ich auch schon sehr gespannt!

Lieben Gruß,
Markus
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#10
Tolles Gerät Klasse Arbeit Enno, Danke fürs zeigen. Und es ist DAS Gerät von Jean der nicht mehr weiß wo es geblieben ist, so klein ist manchmal die Welt.

Hat der Schuster eine Filiale/Servicestation im Edeka???
mit freundlichen grüßen aus Dielfen (Siegerland)
Dietmar
Wenn einer dem anderen hilft ohne daraus Profit schlagen zu wollen dann sind wir auf einem guten Weg
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#11
Hallo Freunde,

freut mich das Euch mein Bericht so gut gefällt!

@Peter Uli und Dietmar:
Also die Sache ist ganz einfach. Der Schuster ist noch wirklich ein richtiger Schuhmacher und betreibt seit 40 Jahren einen Schuh- und Schlüsseldienst in der Edeka Filiale wo meine Eltern immer einkaufen. Vor ca. 30 Jahren hat er mir schon mal einen Koffergriff für eine Phillips Hutschachtel erneuert. Der hat ein Faible für meine Spezialaufträge. Smile Er hatte den passenden Lederriemen, eine einfache Schnalle in Chrom und hat ihn auch in den Koffer genietet. Dafür hat er spezielle Chrom- nicht Messingnieten und eine spezielle Zange. Das war mir auch wichtig. Wollte es so original wie möglich. Er war von dem Gerät so begeistert das ich kurzerhand im vollen Laden zur Hauptgeschäftszeit aufspielen musste. Sofort bildete sich eine große Menschentraube. Einer hat sogar gefilmt! Big Grin Für das Ganze hat er 10,-€ haben wollen.

@Fitzcarraldo: SONJA II heißt die Schalldose? Du hast Recht! Sie hat einen sehr schönen Klang. Außerdem sieht es ungewöhnlich aus wie sie auf der Platte liegt. Das kennt keiner, dem ich das Grammophon vorführe. Eigentlich wollte ich versuchen die ältere Schalldose mit Telefunkenschriftzug zu bekommen, aber jetzt bleibt es so!
Gruß aus Bremen

Enno
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#12
Hallo Enno,

Sonja war der Modellname. Die erste Ausführung (Sonja I) trug auch noch den Telefunkenstern, die späteren Modelle jedoch nicht mehr. Keine Ahnung warum... Auf die Membran-Aufhängung hatte Telefunken seit 1932 ein Patent. Den Lido gab es mit dieser "modernen" Dose (wohl gegen Aufpreis) ab Werk/Händler. Die ältere Schalldose mit Glimmermembrane kommt akustisch an diese nicht ran.

Grüße
Fitzcarraldo
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#13
(08.03.2015, 00:46)Anton schrieb: Das ist nicht nur so ein ähnliches Grammo Jean, sondern das ist genau Deines! Smile Ich hatte es mal von Dir gekauft und im letzten Jahr dann an Enno gegeben, weil ich zwei Lidos hatte...

Hallo Anton und Enno,

das freut mich wirklich sehr, das dieser schöne Plattenspieler jetzt über Anton bei Enno gelandet ist und sogar bei Edeka Freude verbreitet!
Als ich damals wg. Umbauarbeiten an dem Mietshaus, in dem ich meine Wohnung und meine Werkstatt hatte, kurzfristig ausziehen musste, hat mir Anton sehr geholfen und sich um die Weitergabe von Geräten gekümmert bzw. die Geräte in seine sichere Obhut genommen.
Ich hatte den Lido damals von einem Trödler/Wohnungsauflöser gekauft, da kamen einige immer zu mir und brachten mir alte Geräte, solange ich immer alles abgenommen habe.
"So fügt sich doch alles aufs Trefflichste"(W.C. Fields)

Viele Grüsse,
Jean
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#14
Hallo und guten Morgen,
Hammer wie man ganz ohne Strom eine so große Lautstärke erzeugen kann. Solche Geräte faszinieren mich immer aus das neue. Eine sehr gelungene Restauration.
Grün statt Braun
Gruß aus der Pfalz
Gery



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#15
Hallo,

die akustische Schallwiedergabe ist echt interessant, vor allem was man dabei noch so alles "raus holen" kann. Interessanterweise verstärkt der Trichter der Trichter nicht, er arbeitet viel mehr wie ein Trafo. Nur dass er die Druckunterschiede in der Luft anpasst. Ich hatte dazu mal ein bisschen was zusammen gefasst: Der Grammophon Trichter

Grüße
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#16
(09.03.2015, 10:39)Fitzcarraldo schrieb: Hallo, die akustische Schallwiedergabe ist echt interessant, vor allem was man dabei noch so alles "raus holen" kann. Interessanterweise verstärkt der Trichter der Trichter nicht, er arbeitet viel mehr wie ein Trafo. Nur dass er die Druckunterschiede in der Luft anpasst. Ich hatte dazu mal ein bisschen was zusammen gefasst: Der Grammophon Trichter

Ganz tolle Abhandlung zum Thema Schall(-weiterleitung) Uli! Damit räumst Du etwas auf mit dem Mythos der Schalltrichter und zeigst die Versuche der Entwickler, eine möglichst gute Tonwiedergabe zu erzeugen.
~~~Es gibt nichts Gutes, außer man tut es (Erich Kästner)~~~
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#17
Hallo zusammen,

@ Anton - Danke Smile

Noch zu dem Lido - ähnlich wie bei Radios hat Telefunken in den 30ern keine eigenen Geräte hergestellt, sondern (in Lizenz) produzieren lassen. Die Gehäuse des Lido wurden oft von Instrumentenbau-Firmen mit Erfahrung im Kofferbau hergestellt. Motoren stammten z.B. von Steidinger oder Thorens. Schalldosen kamen von Goldring usw.

Den Vorkriegs-Lido gab es für 77.-RM, wahlweise in Raten zu 6,70RM. Die Ausführung in Rindsleder war teurer.

Möglicherweise schaute man sich das Design in den USA ab. Hier tauchte 1926 von einer kleinen, unbekannten Firma ein Koffer auf, der frappierend an den späteren LIDO erinnert...


.jpg   lido.jpg (Größe: 23,16 KB / Downloads: 320)

Grüße
Fitzcarraldo
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