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Außergewöhnlicher Eigenbau MW-Empfänger ca. 1928
#1
Den folgenden Bericht widme ich unserem leider kürzlich verstorbenen Forumskollegen Bernd ("Klammi")


Ich berichte hier über die Restaurationsarbeiten an einem Gerät, das Bernd im September 2016 hier vorgestellt hatte. Zur Erinnerung hier noch einmal ein Bild des Gerätes im Fundzustand:

   

Bernd hatte mir auf Wunsch seines Freundes Snoopy das Gerät zur Restauration überlassen. Diesem Wunsch komme ich gerne nach.


Allgemeiner Aufbau

Hier zunächst 2 Aufnahmen, die ich vor dem Beginn der Arbeiten gemacht habe:

   

Das Holzchassis mit anhängender Frontplatte konnte aus dem umgebenden Gehäuse herausgezogen werden. Die elektrische Verbindung zwischen den Chassisaufbauten und der Gehäuserückwand erfolgte über eine Reihe von versilberten Steckkontaken. Um einen besseren Blick auf die Chassisaufbauten zu erlauben, wurden die seitlichen Stützbretter der Frontplatte entfernt (sie waren gebrochen und mussten sowieso neu verleimt werden.)

   

Unmittelbar ins Auge fällt der großformatige Spulensatz mit dem darunter sitzenden Schwenkkoppler und die ungewöhnlichen TeKaDe Röhren mit den Bezeichnungen "TEKADON", VT111 und VT112. Die Größe der Spulen liess zunächst die Vermutung aufkommen, dass es sich bei dem Gerät um einen Amateurfunksender handelte. Bei genauerem Hinsehen entdeckt man aber sofort die für einen Audion-Empfänger typische RC - Kombination am Gitter der Audionröhre "TEKADON".
Was ebenfalls ins Auge fällt sind die teilweise mehrfach abgebogenen und krummen Verbidungsdrähte. Während im HF-Teil die Verdrahtung noch schön geradlinig und ordentlich erfolgte, wurde der NF-Teil offensichtlich umgebaut / nachgerüstet.

Der Rest war eigentlich recht einfach: Man musste nur noch die Leitungen verfolgen und die Spulenparameter ausmessen und es war klar, dass es sich um einen MW-Empfänger mit rückgekoppeltem Audion und nachfolgender zweistufiger NF-Verstärkung handelte. Die Stufenkopplung erfolgte über NF-Transformatoren. Der überstreichbare Frequenzbereich liegt bei ca. 450 kHz - 1,5 Mhz (gemessen mit den Exciter)

Die beiden Klinkensteckerbuchsen auf der Vorderseite des Gerätes erlaubten den wahlweisen Anschluss eine Kopfhörers oder Lautsprechers.

Sollte die Wiedergabe über Kopfhörer erfolgen, wurde der Klinkenstecker in die linke Buchse (von vorn) gesteckt.
Schaltkontakte an dieser Buchse übten zwei Funktionen aus:

(i) Sie unterbrachen die Verbindung von der Anode der Audionröhre zur Primärseite des 1. Nf-Trafos und legten anstatt dessen den Kopfhörer zwischen Anode und Anodenspannungsversorgung.
(ii) Sie legten die Heizspannung an die Audionröhre. Bei Kopfhörerbetrieb wurde nur diese geheizt! Das war damals wichtig, denn bei Kopfhörerempfang sollten ja die übrigen Röhren nicht den Heizakku belasten und somit auch keinen Anodenstrom ziehen.

Bei Lautsprecherwiedergabe wurde die rechte Klinkenbuchse verwendet. Der an dieser Buchse vorhandene Schaltkontakt legte die Heizspannung an alle 3 Röhren.

Wurde in keine der beiden Buchsen ein Stecker gesteckt, wurde die Heizspannungsversorgung für alle Röhren unterbrochen. So sparte man einen separaten Ein/Ausschalter.

Schaltung

Hier das aufgenommene Schaltbild. Zwecks besserer Übersichtlichkeit wurden die Schaltkontakte der Klinkenbuchsen nicht mit eingezeichnet. Die gezeigten Verbindungen gelten für Lautsprecherempfang.

   

Wie man sieht, folgen auf eine übliche Audionstufe 2 trafo-gekoppelte NF-Verstärkerstufen mit der VT112 als Vorverstärker und der VT111 als Endverstärker. Während die Endröhre an der vollen Heizspannung liegt, kann die Heizspannung für die Audion- und die Vorverstärkerröhre über 50 Ohm Dahtregler individuell herunter geregelt werden.

Die Schaltung weist also eigentlich keine Besonderheiten auf - dafür aber die verwendeten Komponenten umso mehr. Diese sollen nun im Folgenden detailliert beschrieben werden.

Der Röhrensatz

   

Vor irgendwelchen weiteren Aktionen habe ich den seltenen Röhrensatz aus dem Gerät entfernt und in die Vitrine gestellt - wo er bis zum Ende der Restaurationsarbeiten bleiben wird.


1. Die Audionröhre "TEKADON"


           

Die Röhre hat ein vertikal stehendes, nach einer Seite offenes System. Worin der Vorteil des offenen Systems bestanden haben soll, hat sich mir bisher nicht erschlossen. Auch der Erscheinungszeitpunkt der Röhre  ist mir nicht bekannt - vermutlich in der 2. Hälfte der zwanziger Jahre. 


Leider waren bei dieser Röhre große Teile des TeKaDe Stempels schon vor dem ersten Hantieren abgefallen und lagen als kleine helle Brösel auf dem Boden des Holzchassis. Um den verbliebenen Rest zu stabilisieren, dachte ich zunächst an ein Übersprühen mit Klarlack. Dann fiel mir ein, dass sich durch das Lösungsmittel vielleicht der Rest auflösen könnte. Letzten Endes habe ich dann Sprühkleber verwendet. Der bleibt zwar nach dem Antrocknen etwas milchig, hat aber immerhin die Reste des Aufklebers an Ort und Stelle gelassen.

FUNKE gibt als Paralleltype für das TEKADON eine RE084 an, andere Quellen die A409, RE074, G407 und H406. Ich werde wohl zunächst eine LP2 (A410) einsetzen, über die ich in RMorg ausführlich berichtet habe.   

2. Die Nf-Vorverstärkerröhre "VT112"

           

Der Systemaufbau entspricht dem des "TEKADON". Die 1. Erwähnung dieser Röhre geht nach  RMorg auf 1928 zurück.

Ungewöhnlich ist die Typprägung im Anodenblech der Röhre.

FUNKE gibt auch für die VT112 als passende Paralleltype eine RE084 an, andere Quellen wieder die A409, RE074, G407 und H406. Auch hier werde ich eine LP2 einsetzen.

3. Die Nf-Endverstärkerröhre "VT111"

           

Der Systemaufbau entspricht den beiden anderen Röhren. Das Anodenblech trägt wieder die eine Typprägung. Fertigung der 1. Serie nach RMorg: 1927.  

FUNKE gibt als Paralleltype für die VT111  eine RE154/134 an, andere Quellen nennen die B406, RE154, L415 und L410. Ich werde hier zunächst eine RE134 einsetzen.


Der Spulenkoppler

       

Die Antennenankopplung erfolgt über die große äußere Spule aus versilbertem Kuperdraht (CuAg) mit quadratischem Querschnitt 1,5 x 1,5 mm und 120 mm Durchmesser. Die Induktivität liegt bei 5,8 µH.

Im Innern der Antennenspule liegt die MW-Kreisspule, gewickelt aus seide-umsponnenem Cu-Draht. Die Induktivität liegt bei 240 µH.

Unter den beiden Spulen liegt die schwenkbare Rückkopplungsspule mit 250 µH.

Die ganze Spuleneinheit ist so solide aufgebaut, dass man den Eindruck kommerzieller Fertigung hat. Vielleicht wurden ja in den späten zwanziger Jahren solche kompletten Baugruppen für Bastler angeboten?


Der Abstimmdrehko

           

Hersteller: R/U (Radio-Union), Modell: Timatameter "Frequenz". Kapazitätsvariation: 35 - 550 pF. Wie man sofort am sichelförmigen Plattenschnitt erkennt, handelt es sich um einen Drehko mit frequenz-linearem Plattenschnitt:

Eine ausführliche Beschreibung von Drehkondensatoren mit unterschiedlichem Plattenschnitt und deren Charakteristik findet man in DiRu's RMorg-Artikel. Interessanterweise zeigt Dietmar in seinem Artikel ein ganz ähnliches Drehkomodell mit doppelter Friktionsuntersetzung.

   


Der Rückkopplungsdrehko

Viel interessanter ist der Rückkopplungsdrehko - eine wirklich außergewöhnlich Konstruktion. Von außen wirkt er ja nicht besonders spektakulär:

           

Hersteller: Ritscher, Modell: Doppelplatten-Frequenz-Drehkondensator. Kapazitätsvariation: 18 - 190 pF. Der Zusatz "Frequenz" deutete in diesen Jahren offenbar auf einen frequenz-linearen Plattenschnitt hin.

Hier ein wenig Werbung der Fa. Ritscher aus den zwanziger Jahren:

           

Die ersten beiden Bilder stammen aus RMorg, das dritte aus eigener Quelle.

Was bedeutet nun Doppelplatten-Frequenz-Drehkondensator? Auch diesen Drehkotyp beschreibt Dietmar in seinem RMorg-Artikel als "Drehko mit ausgewogenem Plattenschnitt". Hier ein Auszug:

   

Da die Funktion in diesem Auszug schon beschrieben ist, hat es mich natürlich ungemein gereizt, diesen Drehko einmal von innen zu sehen. Also habe ich ihn schrittweise zerlegt und dann doch noch eine Überraschung gefunden.

Zunächst wurde die hintere Deckplatte entfernt und es kommt der äußere Feintrieb (ca. 1/13) zum Vorschein. Das Ritzel der zentralen 3mm Achse greift über Schrägverzahnung in das außer Zahnrad (40mm Außendurchmesser) ein.

       

Danach wurde die Übersetzung ausgehängt und man sieht das innere Zahnrad. Auch hier liegt das Überstzungsverhältnis bei ca. 1/13:

       

Danach wurde ich mutig, habe die vordere Deckplatte abgenommen und die Statorpakete nach außen gespreizt.

   

Also kann man einen frequenzlinearen Dreho auch so bauen: Anstatt des sichelförmigen Plattenschnitts mit seinen bekannten mechanischen Schwachpunkten kann man die Platten auch mit Fenstern versehen - und zwar sowohl die Stator- als auch die Rotorpakete.

Wie Dietmar schon schrieb, ist jeder Drehkoanschluss mit einem Stator und einem Rotor verbunden. Je nach Winkelstellung des Rotors liegt er in seinem "eigenen" Stator, oder in dem des anderen Anschlusses. Die folgenden 2 Bilder zeigen die relative Stellung von Rotoren und Statoren bei minimaler Kapazität (rot markierter Rotor in rot markiertem Stator und blau markierter Rotor in blau markiertem Stator

   

und bei maximaler Kapazität:

   

Wo liegt denn nun eigentlich der Vorteil, dieser Doppelplatten-Drehkos? Bei einem normalen Luftdrehko liegt bei minimaler Kapazität der Rotor ganz außerhalb des Stators - benötigt also ungenutzten Platz. Bei einem Doppelplattendrehko wird kein Platz verschwendet, da der Rotor immer innerhalb der Statorplatten bleibt. Darauf bezieht sich der Satz in der Werbung des Hirrlinger Kataloges von 1929/1930:

   

Es ist das erste Mal, dass mir ein solcher Doppelplatten-Drehko begegnet - daher die Begeisterung!


Die Heizstromregler

Die hier eingesetzten 50 Ohm Drahtregler sind insofern ungewöhnlich, als man nicht einen Schleifer über eine Widerstandbahn bewegt, sondern letztere unter den Schleifer hindurchdreht.

   

Ich frage mich, wie man es geschafft hat, den Widerstandsdraht so auf den Keramikkörper zu wickeln, dass er auch vor und nach der Spirale fest am Körper anliegt.

NF - Übertrager

Der Hersteller des 1. NF - Übertragers "ANETTO" war mir bisher noch nicht begegenet.

   

Der Gleichstromwiderstand des Primärwickels liegt bei 740 Ohm, der Sekundärwickel ist leider offen. Meine Hoffnung, dass sich die Unterbrechung des Sekundärwickels in der Nähe des äußeren Anschlusses befindet, hat sich leider nicht bestätigt. Also entweder neu wickeln, oder ersetzen, oder den Primärwickel verwenden und die folgende Röhre über RC koppeln?

Der Hersteller des 2. NF - Übertragers ist "WEILO" - eine ab Mitte der zwanziger Jahre bekannte Trafo-Firma.

       

Das Übersetzungsverhältnis liegt bei 1 : 6. Glücklicherweise ist dieser Trafo intakt!


Gehäusearbeiten

Wie in den eingangs gezeigten Bildern erkennbar, war das Holzgehäuse teilweise gebrochen, verzogen  und entleimt. Also habe ich zunächst alle elektrischen Einbauten und die Zierleisten entfernt und mich an die Holzarbeien gemacht ... die ich nicht so besonders liebe. Aber was sein muss ....

Im Moment sieht das Gehäuse so aus. Es wird!

           

Als nächstes wird dann noch geschliffen, gebeizt und lackiert. Darüber berichte ich dann später.

--------------------------------------------------------

Damit ist die Arbeit natürlich noch lange nicht zu Ende. Der elektrische Kontakt aller Schraubverbindungen - und da gibt es so einige - hat über die letzten 90 Jahre durch Korrosion stark gelitten. Man muss  also alle Verbindungen öffnen und die Kontaktflächen und Drähte mit einem Glasfaserpinsel reinigen. Selbst die Lötstellen müssen alle nachgelötet werden.

Erst dann kann der Rückbau der elektrischen Komponenten auf das Chassis beginnen. Aber:

WIR SCHAFFEN DAS!
Grüsse aus Karlsruhe,
Harald
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#2
Hallo Harald,

von diesem Superbericht wäre Bernd auch begeistert gewesen

Ich freue mich schon jetzt auf die Fortsetzung

Gruß
Wilhelm
Niemandes Herr, Niemandes Knecht,
so ist es gut, so ist es recht

von Fallersleben
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#3
Hallo Harald,

Spitzenbericht und wie immer tolle Fotos, Hut ab!

Die meisten dieser Bauteile habe ich noch nie gesehen, besonders gut gefallen mir die Drehkondensatoren!
Viele Grüße aus Loccum, Wolfgang

Wer niemals fragt, bekommt nicht einmal ein Nein zur Antwort.

In Memorandum 2018
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#4
Hallo,

sehr schöner Bericht...Fotos ! Und das Gerät, und die Arbeit... sensationell Wink
Die exotischen Teile und nicht zuletzt die Röhren sind wirklich eine Augenweide.

Bin gespannt, was draus wird,

Gruß IngoZ
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#5
Na Harald,
das wird doch wieder ein schönes Gerät werden. Solche Radios rest. ich auch am liebsten. Da ist noch Handwerkliches können angesagt. Auch die Röhren sind schon fast Gold Staub. Also weiter machen.
Gruß Detlef
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#6
Hallo, Harald,
Ich freue mich, dass dieses Gerät in Deinen präzisen Händen sich befindet. Über Deinen detaillierten Bericht kann man nur mein Respekt aussprechen.

Ehrlich gesagt, ich habe einige Schrottgehäuse bereits gemacht. Dieses war mir sofort klar, würde ich gar nicht anfassen. Die Bilder können nicht richtig den schlimmen Ausgangszustand zeigen. Du aber hast es geschafft! Klar ist viel Arbeit drin, aber für Dich gibt es keine Grenzen.

Wie wertvoll das Gerät ist, zeigen die Teile. Und hier auch - vorbildlich wie Du damit umgehst und uns zeigst!
Hut ab!
Gruß,
Ivan
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#7
Hallo Harald,

dieses Radio ist ja ein ganzes Kuriositätenkabinett, wenigstens aus heutiger Sicht.
Den gezeigten Werbeblättern nach seinerzeit aber alltäglich.

Ich bin heute schon gespannt auf die Fortsetzung Deines Berichts.


Viele Grüße nach Karlsruhe

Martin
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#8
Hallo Harald,

du vergaßt, den Luftblockkondensator an der RC-Kombi zu erwähnen.
Zu sehen ist der auf dem Bild mit dem defekten Übertrager. So einen
schönen, geschichteten Kondensator habe ich hier auch in 100 und 250
cm, also 110 und 275pF Kapazität. Diese Kondensatoren stammen von
der Firma Jahre.
Den Übertrager würde ich auf jeden Fall neu wickeln. Du hast ja hier den
großen Vorteil, das beide Wicklungen getrennt zugänglich sind. Einen
Weilo habe ich mal gänzlich neu wickeln müssen, mit 0,05mm CuL !
Das war der Trafo aus meinem ersten Klappdeckelradio .....
Beim Einsatz der RE084 kann es Probleme mit der Rückkopplung geben,
dann musst Du die Versorgungsspannung der Audionstufe reduzieren.
Die RE 084 ist um einiges leistungsfähiger als die TeKaDe Röhren.

Gruß,
RE 084
RE 084 heisst Hans und kommt aus 41844 Wegberg
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#9
Hallo Harald,
da kann man nur vor Neid erblassen, ich mag diese Geräte aus den 20ern.
Allein die Röhren sind schon eine Augenweide und so gut wie nicht mehr zu bekommen.
Da bin ich mal gespannt, wie die Restauration weitergeht...
Viele Grüße,
Rolf
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#10
Mal wieder ein toller Bericht, Harald. Ich freue mich auf die Fortsetzung.
Grüße aus dem Odenwald,

Werner



Lesen gefährdet die Dummheit!
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#11
Hallo Harald,
sehr interessanter Bericht. Ich bin auf Fortsetzungen gespannt. Das von mir früher reparierte schwedische Radiola hatte gleiche Schaltung, d.h.die Nf Verstärkung wurde ebenfalls mit Steckstiften ( Funke RPG ähnlich ) von aussen bewerkstelligt. Grobe Frequenzvorwahl ebenfalls. Bei meinem Gerät und auch bei einem weiteren dieser Art, welches ich ebenfalls mit in der Mache hatte, waren alle Nf Trafos def. Ich hatte für die Wickelei extra eine Vorrichtung gebaut. Das Neuwickeln mit den dünnen Drähten ist fast nicht zu schaffen und ohne Flickstellen kaum zu erreichen. Wenn Du dafür Trafopapier benötigen solltest, ich habe noch viel davon übrig. Bei Radiola waren die Kondensatoren bewickelte Messingrohre.
Gruß Franz
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#12
Ich habe ja beim Treffen das Gerät gesehen, Harald. Das du es jetzt Restaurierst, für Klammi (Bernd) ehrt dich wiedermal. Diese Vorstellung der Einzelteile sprengt mal wieder alles hier. Respekt wie fundiert du da drann gehst und es zeigt mir wiedermal das ich dieses Wissen niemals aufholen kann. Es freut mich aber auch immer wenn sich einer hinsetzt und diese Berichte verfast die für die Nachwelt erhalten werden müssen.
mit freundlichen grüßen aus Dielfen (Siegerland)
Dietmar
Wenn einer dem anderen hilft ohne daraus Profit schlagen zu wollen dann sind wir auf einem guten Weg
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#13
Hallo Harald,

ich hatte ja nun auch einige Wochen Gelegenheit, mir immer mal wieder dieses Teil anzusehen. Es hatte mich von den Bauteilen her schon fasziniert. Trotzdem wäre ich da nie dran gegangen. Alleine der Holzkorpus war schon so brüchig und verzogen. Dann die einzelnen Befestigungen der Bauteile. Nein solche Batteriegeräte sind nicht meine Sammlerwelt.

Umso mehr freue ich mich, dass das Gerät in Deinen Händen ist. Du kümmerst Dich redlich um das Gerät. Das wird sicherlich eines Tages wieder schön erstehen. Viel Erfolg und danke für die ausführliche Dokumentation, die sicherlich gerne gelesen wird.
Es grüßt Euch aus Peine
     
     Andreas
Nicht nur die Röhren sollen glühen.
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#14
"Hirrlinger Kataloges von 1929/1930:"

Den "Ritscher" frequenz-linearen Drehko findet man auch schon im "Prohaska-Katalog" von 1927/28, hier auf S. 133 unter der Nr. 599. Der Text enthält eine weitere Zeile, die im "Hirrlinger-Katalog" fehlt:
"..... gekapselt, mit Feineinstellung, auf den Rotor wirkend, von 1:180, ..."

Der Drehko von Harald mit der Nr. 9639 hat ein Plattenpaket mit 4 Stator-Platten.
Mein Drehko mit der Nr. 4309 hat ein Plattenpaket mit 8 Stator-Platten. Er hat folglich die doppelte max. Kapazität.

Laut Schaltbild hat Haralds Kondensator max. 550pF, also nominell 500pF. Folglich müßte meiner dann nominell max. 1nF haben. Einer Messung der Kapazität hat er sich allerdings "widersetzt". Es sind da wohl einige Kontakte zu sehr verschmutzt bzw. oxydiert. Bleibt noch etwas Arbeit, ehe er wieder einsatzfähig ist.

MfG DR
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#15
Liebe Kollegen,

vielen Dank für die positiven Rückmeldungen und Anregungen.

@ Ivan und Andreas: Ja, das Holgehäuse war wirklich in katastrophalem Zustand. Anfangs dachte ich schon daran, die Sache meinem Tischler zu übergeben. Der freut sich immer wenn er dem Lehrling eine vernünftige Arbeit geben kann.
Aber dann habe ich mich doch entschlossen, selbst zu Werke zu gehen. Es gibt ja Spannzwingen und Ponal. Der Gehäusedeckel hatte sich stark gewölbt. Ich habe ihn ein paar Tage gewässert und dann mit Hilfe von 4 Spannzwingen mit Gewalt auf das Unterteil gepresst und verleimt. Führung war ja durch Nut und Feder vorhanden.

@Hans: Ja, stimmt, das 2 MOhm parallel zu 250 cm RC-Glied hatte ich photographiert und dann doch vergessen zu kommentieren. Hier die Bilder:

           

Die Fa. Jahre kannte ich bis dahin nur von ihren hochqualitativen Glimmer-Kondensatoren. Wie man auf dem 3. Bild sieht, handelt es sich hier wirklich um einen Luft/Plattenkondensator. Danke für den Hinweis.

Die 2 Mohm haben nach 90 Jahren eher 3,5 MOhm. Da werde ich vielleicht einen Subminiatur- Widerstand mit 3,3 Mohm parallel löten. Oder ich durchbohre den vorhandenen "KONSTANT" Widerstand und schiebe den Parallelwiderstand innen hinein. Ich werde berichten.


Als Ersatzröhre für die "TEKADON" und die "VT112" werde ich 2 Stück aus meinem Vorrat an "LP2" Röhren verwenden. Die haben eine Steilheit von nur 0,65 mA/V, also noch weniger als die "TEKADON" mit ihren 0,9mA/V.

https://www.radiomuseum.org/tubes/tube_lp2_philips.html.

Die 3 Röhren bekommen übrigens individuelle Anodenspannungen.

Die Sekundärseite des defekten NF-Trafos von Anetto ist mit 0,07 CuL Draht gewickelt. Ich weiß nicht., ob ich mir das antun soll. Immerhin habe ich noch einen Vorrat solcher Trafos. Z.B. den hier von der französischen Firma "Cef":

       

Ist kaum größer als der von Anetto und hätte auch ein passendes Übersetzungsverältnis von 1/5.



@ DiRu: Dietmar, das hast du Dich vertüdelt. Der Doppelplatten-Drehko von Ritscher ist der Rückkopplungsdrehko - und der hat 18 - 190 pF. dann wird Deiner wohl 500 pF haben.
Grüsse aus Karlsruhe,
Harald
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#16
Hallo Harald,

auf die Funktion sollte die Erhöhung des 2MOhm-Widerstandes keinen Einfluss haben. Ich würde ihn erstmal belassen, wie er ist und nur, wenn die Gitterspannung evtl. doch wegläuft (glaube ich eigentlich nicht), würde ich da etwas tun.

Ansonsten vielen Dank für die ausführliche Dokumentation des außergewöhnlichen Gerätes.

Viele Grüße

Ingo.
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#17
Halo Harald,

das der Widerstand über die Jahrzehnte weggelaufen ist, ist ja nun schon normal, der darf das !
Es könnte aber durchaus sein, das er im Betrieb kracht und zischt. In solchen Fällen bastel ich
mir an der Drehbank genau solche Endkappen und ein Plastiröhrchen mit einem neuen Wider-
stand ist dann drin.

Den Trafo bitte nicht wegwerfen ! Das ist zwar eine Höllenarbeit, ich meine aber, das lohnt sich.
Für meinen ersten Ersatztrafo habe ich 30 Euros berappt !!

Gruß,
RE 084
RE 084 heisst Hans und kommt aus 41844 Wegberg
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#18
"Der Doppelplatten-Drehko von Ritscher ist der Rückkopplungsdrehko - und der hat 18 - 190 pF. dann wird Deiner wohl 500 pF haben. "

O.K., die Feineinstellung hat mich da auf die falsche Fährte gebracht. So hat z.B. der Siemens RFE22 eine Feineinstellung für die Abstimmung, während die Rückkopplung ohne Feineinstellung ist. Aber hier handelt es sich ja um einen Eigenbau.

Gruß Dietmar
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#19
Ich habe gerade etwas sehr Peinliches bemerkt. Im 1. post habe ich ein Schaltbild gezeigt ... und es enthält einen Fehler. Beim 2. NF-Trafo habe ich die Widerstandswerte von Primär- und Sekundärseite vertauscht.

Natürlich hat die Primärseite den niedrigeren Widerstand von 1,2 KOhm  und die Sekundärseite den höheren von 7,8 kOhm.

So sieht das korrigierte Schaltbild aus:

   

Ob wohl einer der Admins das Schaltbild im 1. post löschen kann und durch dieses Schaltbild ersetzen? Wenn das möglich ist, kann man auch diesen Post löschen.

In diesem Zusammenhang fällt mir etwas ein, was den neueren Mitgliedern vielleicht nicht gegenwärtig ist: Manche von den Bildern erscheinen in Textfluss nicht so ganz scharf - sie sind nur "Pre-views". Klick man das Bild an, wird es in voller Auflösung dargestellt, klickt man es dann noch einmal an, wird es noch vergrößert. Bloß falls jemand das noch nicht wusste...
Grüsse aus Karlsruhe,
Harald
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#20
Ich lese mit großer Begeisterung.

Auf den weiteren Bericht und das Endergebnis bin ich sehr gespannt. Einfach großartig.
Immer guten Empfang und viele Grüße - Uwe
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